Im März 2026 stellten wir diesen Antrag zum Programm „Klimataler“. Die Mehrheit im Rat möchte dieses Projekt der konkreten Beteiligung von Bürger:innen an aktiven Maßnahmen zum Klimaschutz offenbar nicht. Die Begründung (vorgetragen von der Verwaltung) ist mehr als unzulänglich recherchiert. Wieder eine Chance vertan für Ennepetal, um neue Wege einzuschlagen und Formen der Bürgerbeteiligung ins Leben zu rufen.
Die Verwaltung wird beauftragt, die Teilnahme der Stadt Ennepetal am Klima‑Taler‑Programm zu prüfen und dem zuständigen Fachausschuss eine sachliche, fundierte Entscheidungsgrundlage vorzulegen.
1. Gegenstand und Zielsetzung
Der Klima‑Taler ist ein digitales Beteiligungsinstrument für Kommunen, das Bürgerinnen und Bürger zu klimafreundlichem Verhalten im Alltag motiviert. Über eine Smartphone‑App werden insbesondere klimafreundliche Mobilitätsformen wie Wege zu Fuß, Fahrradnutzung und die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs erfasst. Ergänzend können auch Energie‑, Wärme‑ und Wassereinsparungen berücksichtigt werden.
Auf Grundlage der eingesparten CO₂‑Emissionen werden digitale Punkte („Klima‑Taler“) generiert, wobei ein Klima‑Taler etwa fünf Kilogramm eingespartem CO₂ entspricht. Die gesammelten Klima‑Taler können bei lokalen Partnerbetrieben oder kommunalen Einrichtungen eingelöst werden. Die Nutzung der App ist für Bürgerinnen und Bürger kostenfrei.
Der Ansatz verbindet Bürgerbeteiligung, kommunalen Klimaschutz und die Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe in einem niedrigschwelligen, spielerischen Format.
2. Einordnung in kommunale Zielsetzungen
Klimaschutzziele in Ennepetal sind bedeutsam und erforderlich, insbesondere im Hinblick auf die Reduktion von CO₂‑Emissionen und die Förderung nachhaltiger Mobilität. Die notwendige Verkehrswende hin zu mehr Fuß‑, Rad‑ und ÖPNV‑Verkehr geht mit Veränderungen im öffentlichen Raum einher und erfordert eine hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft.
Digitale Anreizsysteme wie der Klima‑Taler können diesen Transformationsprozess positiv begleiten, indem sie klimafreundliches Verhalten sichtbar machen, honorieren und damit die Bereitschaft zur Verhaltensänderung erhöhen.
3. Mehrwert für die Kommune
Eine Teilnahme am Klima‑Taler‑Programm kann mehrere Vorteile bieten:
- Bürgerbeteiligung und Akzeptanzförderung
Der Klima‑Taler bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu Klimaschutzthemen und kann zur Sensibilisierung sowie zu langfristigen Verhaltensänderungen beitragen.
- Förderung nachhaltiger Mobilität
Klimafreundliche Verkehrsformen werden sichtbar gemacht und positiv verstärkt, was bestehende Mobilitäts‑ und Klimaziele unterstützt.
- Stärkung der lokalen Wirtschaft
Lokale Händler, Gastronomiebetriebe sowie Kultur‑ und Freizeiteinrichtungen können kostenfrei als Partner:innen teilnehmen und zusätzliche Sichtbarkeit sowie neue Möglichkeiten der Kundenbindung erhalten.
- Klimafolgenanpassung und Information
Die App kann Hinweise zum Hitzeschutz geben und relevante Orte wie Trinkwasserbrunnen, sichere Fahrradabstellanlagen oder E‑Bike‑Ladestationen anzeigen.
- Datenbasierte Unterstützung der Stadtplanung
Anonymisierte und aggregierte Nutzungsdaten können – sofern genutzt – wertvolle Hinweise für Verkehrs‑ und Infrastrukturplanung liefern und helfen, Planungsentscheidungen besser an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten.
4. Datenschutz und externe Bewertung
Die Verbraucherzentrale bewertet den Klima‑Taler im Rahmen eines App‑Tests insgesamt positiv. Hervorgehoben werden insbesondere die Datensparsamkeit, die Möglichkeit der Nutzung ohne verpflichtende Registrierung, der Verzicht auf Social‑Media‑Logins sowie ein transparenter Umgang mit Nutzerdaten im Sinne der DSGVO.
Kritisch wird angemerkt, dass der volle Nutzen – insbesondere die Einlösemöglichkeiten – maßgeblich von der Teilnahme einer Kommune abhängt. Diese Einschätzung unterstreicht zugleich den Stellenwert einer kommunalen Einführung für die Wirksamkeit des Instruments.
5. Erfahrungen aus anderen Kommunen
Der Klima‑Taler wird bereits in einigen Städten eingesetzt, darunter Hamm, Bielefeld, Darmstadt, Nidderau, Königstein im Taunus und Meiningen. Aus diesen Kommunen wird über positive Erfahrungen berichtet, insbesondere hinsichtlich der Aktivierung der Bürgerschaft, der Einbindung lokaler Akteur:innen sowie der Nutzung von Mobilitätsdaten als ergänzende Planungsgrundlage. In einem Erfahrungsaustausch zur Klimataler App wurde berichtet, dass sich in Königstein im Taunus seit 2021 rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger (ca. 11.000 Einwohner) beteiligen, darunter auch Schülerinnen und Schüler. Auch Hamm (rund 300.000 Einwohner) berichtet über positive Erfahrungen, unter anderem durch schulübergreifende Challenges.
6. Kosten
Die Teilnahme am Klima‑Taler‑Programm ist für Kommunen mit jährlichen Lizenzkosten verbunden, deren Höhe sich nach der Einwohnerzahl richtet.
Für eine Kommune mit rund 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern beläuft sich die jährliche Gebühr auf 4.990 € zzgl. MwSt.
Optionale Zusatzleistungen, etwa vertiefte Datenauswertungen, können bei Bedarf gesondert geprüft werden.
Ziel des vorliegenden Antrags
Mit diesem Antrag soll zunächst eine strukturierte und faktenbasierte Prüfung der Teilnahme am Klima‑Taler‑Programm durch die Verwaltung erfolgen.
Mit freundlichen Grüßen
Anke Heuser
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN