Strom-Grünbuch: 100.000 MW Kraftwerks-Überkapazitäten in Europa

Kraftwerk-RWEQuelle: IWR

Berlin / Münster – Der interne Arbeitsentwurf des sogenannten “Grünbuchs” des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist durchgesickert. Dabei sind spannende Information zum Thema Strommarkt 2.0 und zu Überkapazitäten in Europa ans Tageslicht gekommen. IWR Online hat den Entwurf näher angeschaut.

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in dem Dokument, welches IWR Online vorliegt, schreibt, betragen die Überkapazitäten auf dem europäischen Strommarkt etwa 100.000 Megawatt. Davon sollen alleine 60.000 Megawatt für Deutschland relevant sein, heißt es in dem Berichtsentwurf mit dem Titel: “Ein Strommarkt für die Energiewende”. Zudem werden darin die Vor- und Nachteile eines Kapazitätsmarktes diskutiert und sogenannte “Sowieso-Maßnahmen” dargestellt.

100.000 Megawatt Überkapazität in Europa
In dem Berichtsentwurf, der von Seiten des BMWi nicht offiziell bestätigt wurde, ist von enormen Überkapazitäten im europäischen Strommarkt die Rede. “Nach Angaben des aktuellen “Scenario Outlook and Adequacy Forecast” (SOAF-Bericht) von ENTSO-E betragen die Überkapazitäten an gesicherter Leistung in Europa derzeit mindestens 100 Gigawatt (ENTSO-E 2014). Davon liegen rund 60 Gigawatt in dem für Deutschland relevanten Strommarktgebiet, das näherungsweise als die Region bestehend aus Deutschland, seinen Nachbarn und Italien definiert werden kann. Auch für die nächsten Jahre sind hier erhebliche Überkapazitäten zu erwarten”, ist in dem Grünbuch-Entwurf zu lesen.

Zudem wird in dem Entwurf darauf hingewiesen, dass die Übertragungsnetzbetreiber in ihrem Bericht zur Leistungsbilanz für Deutschland für den Zeitraum 2014 bis 2017 eine „verbleibende Leistung“ von ca. 10.000 Megawatt ausweisen, die zur Lastdeckung in Deutschland nicht benötigt wird und für Exporte zur Verfügung steht.

“Sowieso-Maßnahmen” in diversen Bereichen
Die “Sowieso-Maßnahmen” als Maßnahmen für einen sicheren, kosteneffizienten und umweltverträglichen Einsatz aller Erzeuger und Verbraucher beinhaltet fünf Kernpunkte. Diese sollen, wie der Name schon sagt, auf jeden Fall umgesetzt werden. Inhaltlich geht es darum, Marktsignale für Erzeuger und Verbraucher stärken, Stromnetze auszubauen und zu optimieren, eine einheitliche Preiszone zu bilden, europäische Kooperationen zu stärken und die Klimaschutzziele zu erreichen. Im Bereich Ausbau der Stromnetze will das BMWi demnach an den bisherigen Plänen festhalten. Im Berichtsentwurf heißt es: “Die als erforderlich identifizierten und vom Gesetzgeber bestätigten Netzausbauvorhaben einschließlich der Grenzkuppelstellen mit vorrangigem Bedarf werden realisiert.” Dies sei auch nötig, um eine einheitliche Preiszone zu erhalten, heißt es.

Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt
Auch die Notwendigkeit eines Kapazitätsmarktes wurde in diesem Grünbuch diskutiert. Eine eindeutige Position ist jedoch nicht zu erkennen. Es werden Vor- und Nachteile des Strommarktes 2.0 und des Kapazitätsmarktes beschrieben und die zur Durchsetzung des jeweiligen Marktdesigns notwendigen Maßnahmen aufgezeigt. Jedoch heißt es im Grünbuch: „Ein optimierter Strommarkt, der zulässt, dass Preissignale unverfälscht bei den Marktteilnehmern ankommen, abgesichert durch einen glaubwürdigen rechtlichen Rahmen, kommt nach wissenschaftlichen Untersuchungen ohne einen zusätzlichen Kapazitätsmarkt aus.“

Grünbuch, Weißbuch, Gesetz
Dieses Grünbuch stellt einen ersten Entwurf dar. Auf Anfrage von IWR Online beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wollte man uns darüber keine weiteren Informationen geben, da es sich dabei „um einen internen Arbeitsentwurf“ handle. Es soll nach der Veröffentlichung als Diskussionsgrundlage dienen, heißt es in dem vorliegenden Entwurf. Stellungnahmen dazu können demzufolge dann bis März 2015 beim BMWi eingereicht werden. Ende Mai sollen die Stellungnahmen eingearbeitet und in einem „Weißbuch“ veröffentlicht werden. Dies soll wiederum bis September 2015 öffentlich konsultiert werden. Daran folgen die notwendigen Gesetzgebungen.

Umweltfreundliche Klinik

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Westfalen

    Quelle: Deutsche Rentenversicherung Westfalen

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Westfalen

Die Klinik Königsfeld wurde am 27. Oktober mit dem ÖKOPROFIT-Zertifikat ausgezeichnet. Dieses Zertifikat konnte sie nach der Teilnahme am „Ökologischen Projekt für integrierte Umwelt-Technik“, einem Abfall- und Emissionsvermeidungsprojekt, erlangen. Um das zu erreichen, musste die Klinik rund 50 Vorgaben umsetzen und das Wichtigste: Alle Klinikbeschäftigten mussten an einem Strang ziehen.

Minister überreicht Zertifikate

In der Feierstunde, die in der Klinik Königsfeld stattfand, wurden elf weitere Betriebe des Ennepe-Ruhr-Kreises ausgezeichnet. So konnte der Verwaltungsdirektor der Klinik Königsfeld, Oliver Niggemann, zusammen mit dem Team, das an dieser Zertifizierung arbeitete, das Zertifikat entgegennehmen. „Ich freue mich, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich so engagiert an dem Projekt beteiligt haben“, sagte der Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, Christian Schöppner, in seiner Begrüßungsrede. Im November 2010 haben die kommunalen Energiedienstleister des Ennepe-Ruhr-Kreises – die Stadtwerke Witten und die Aktiengesellschaft für Versorgungsunternehmen (AVU) Gevelsberg – gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsagentur dieses Projekt auf den Weg gebracht. Ziel des ganzen Projektes ist, Emissionen und Abfälle zu reduzieren. Ganz am Anfang stand dabei die Datenerhebung in der Klinik. Wie viel Strom wird verbraucht, und warum? Wie viel Müll entsteht in der Klinik, und wo kommt er her? Während der einjährigen Projektphase wurden so die Daten erhoben, Ideen zu Einsparungen entwickelt, Ideen umgesetzt und natürlich darauf geachtet, diese auch in Zukunft weiterführen zu können. Auch der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, ist von dem Projekt begeistert. „Wir sind eine Generation, die die Endlichkeit der Rohstoffe klar vor Augen hat. Sie haben sich als Unternehmen auf den Weg gemacht und sich am Projekt ÖKOPROFIT beteiligt. Die Durchführung dieses Projektes ist ein bisschen Revolution vor Ort in Ihren Unternehmen“, sagte der Landesminister in seiner Ansprache. Im Anschluss daran konnte er an alle 12 Betriebe die Auszeichnungen überreichen.

Das ÖKOPROFIT-Team

Um dieses Projekt in der Klinik umzusetzen, mussten Beschäftigte aus den verschiedensten Bereichen eng zusammenarbeiten. Projektleiter ist der Technische Leiter der Klinik Königsfeld, Detlef Frühling. Außerdem gehören zum Team: Martin Braun aus dem Technischen Dienst, Maribel Hurtado aus dem Bereich Beschaffung, Sven Hustadt aus dem Bereich der Küche, Sabine Kirschbaum als Hauswirtschaftsleiterin und Buchhalter Jens Kösters. Das Team hatte die Aufgabe, alle Aktivitäten rund um das Projekt zu organisieren und musste die Vorgaben zur Zertifizierung bearbeiten und durchführen. Unterstützt wurden sie dabei durch die B.A.U.M.-Consult, die als beauftragte Beratungsgesellschaft das Gesamtprojekt betreute. Das Team arbeitete bei diesen Entscheidungen eng mit der Klinikleitung zusammen. „Um den Kolleginnen und Kollegen der Klinik das Projekt näher zu bringen, haben wir ‚ÖKOPROFIT-Pinnwände’ in den Pausenräumen aufgestellt. Auf denen wurde unser Team vorgestellt, aktuelle Infos zum Projekt veröffentlicht und eine ‚Wussten-Sie-schon…-Kollumne’ mit Infos zum Nachdenken eingefügt“, erklärte Detlef Frühling.

Welche Änderungen gab es?

Es reichte jedoch nicht, dass das Team an dem Abfall- und Emissionsvermeidungsprojekt arbeitete, alle Beschäftigten der Klinik mussten motiviert werden. Zuerst wurden Energiesparmaßnahmen durchgeführt, die viele auch von zu Hause kannten: Licht und Monitor ausschalten, wenn man den Raum verlässt, Heizung kleiner drehen, wenn gelüftet wird, nur Stoßlüften, und viele kleine Maßnahmen mehr. „Dann kamen aber auch verschiedene Ideen aus den Abteilungen der Klinik. Die Ernährungsberatung druckt zukünftig beispielsweise die Info-Flyer für Patienten nur noch beidseitig, Im Therapiezentrum werden jetzt Wärmegeräte nachts automatisiert ausgeschaltet und morgens wieder eingeschaltet anstatt die ganze Nacht durchzuheizen, und die Straßenbeleuchtung wird seit dem nachts ausgestellt“, sagte Teamleiter Detlef Frühling. Außerdem setzte die Technik-Abteilung der Klinik energiesparende Leuchtmittel ein, in Fluren, Nebenräumen und WC wurden Bewegungsmelder anstatt Lichtschalter eingebaut und in den Seminarräumen haben die Heizkörper automatisierte Thermostate bekommen, die erkennen, wenn die Fenster geöffnet sind.

ÖKOPROFIT als Einstieg

Um die ÖKOPROFIT-Auszeichnung zu erlangen, musste die Klinik Königsfeld rund 50 Vorgaben erfüllen, die unter anderem aus den Bereichen „Energie“, „Abfall“, „Wasser“, „Gefahrstoffe“, „Einkauf“ und „Organisation und Kommunikation“ kamen. Alle Vorgaben konnten in einem Jahr von der Klinik erfüllt werden. Und was passiert nach dem einen Jahr? Das Projekt ÖKOPROFIT soll als Einstieg in das Umweltmanagement dienen. In weiteren Modulen werden die Betriebe bei der Fortführung ihrer ÖKOPROFIT-Aktivitäten unterstützt. Mit der ÖKOPROFIT-Rezertifizierung bietet die Kommune den einmal ausgezeichneten Betrieben die Möglichkeit der erneuten Überprüfung und Auszeichnung. Die Klinik Königsfeld und die anderen elf Betriebe werden auch in Zukunft den Erfahrungsaustausch weiterführen

Bundesregierung plant Pro-Fracking-Gesetz. BUND: Risiken inakzeptabel

Fracking stoppen! Die Risiken für unser Grund- und Trinkwasser sind viel zu hoch.

Fracking stoppen! Die Risiken für unser Grund- und Trinkwasser sind viel zu hoch.

Quelle: BUND

Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind die Pläne der Bundesregierung, die riskante Gasfördermethode Fracking in großen Tiefen noch in diesem Jahr erlauben zu wollen, “ein klarer Fall von vorauseilendem Gehorsam gegenüber internationalen Energiekonzernen“. Diese wollten spätestens mit dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP die Schiefergasförderung in Deutschland durchsetzen, sagte die BUND-Energieexpertin Ann-Kathrin Schneider. Sie warf der Bundesregierung vor, die inakzeptablen Risiken des Einsatzes hochgiftiger Chemikalien beim Fracking zu unterschätzen. Das ergebe sich aus der heute bekannt gewordenen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen.

“Fracking gefährdet die Grund- und Trinkwasservorkommen in Deutschland. Fracking gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung und Fracking ist lediglich eine weitere Methode, um das System der fossilen Energieerzeugung am Laufen zu halten“, sagte Schneider. “Die vielen mit Fracking verbundenen Risiken lassen sich nur vermeiden, wenn die Bundesregierung diese Gasfördermethode in jeder Variante verbietet”, so Schneider.

Erforderlich sei stattdessen ein schnellerer Ausstieg aus den Energieträgern Atomkraft, Kohle, Öl und Gas und ein konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energien. “Fracking schadet dem Klimaschutz. Die Bundesregierung weiß, dass Deutschland seine anvisierten Klimaziele nur erreichen kann, wenn es sich konsequenter als bisher von fossilen Energiequellen verabschiedet und die Energieverschwendung eindämmt“, sagte Schneider.

Gegen Fracking spreche auch, dass hierzulande mit dieser Methode förderbares Gas nur einen Bruchteil des Verbrauchs in Deutschland decken könne. “Es ist der falsche Weg, viele hundert Millionen Euro in eine Technologie zu investieren, die lediglich einen kurzen Zeitraum überbrückt und den Ausstieg aus fossilen Energien verzögert“, sagte Schneider.

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McKinsey: Deutschland verpasst 9 von 15 Energiewende-Zielen

Luftverschmutzung - Zeit zu handeln!Quelle: IWR

Düsseldorf– Die Energiewende in Deutschland gilt als Mammutprojekt und könnte bei Gelingen auch die Blaupause für andere Länder werden. Doch laut einer aktuellen McKinsey-Studie sind neun von 15 Regierungszielen im Zusammenhang mit der Energiewende bis zum Jahr 2020 nicht erreichbar.

Zu den Zielen, die Deutschland aus Sicht des Beratungsunternehmens nicht erreichen wird, zählt u.a. auch das CO2-Minderungsziel von minus 40 Prozent bis 2020. Der „Energiewende-Index“ von McKinsey zeigt anhand quantifizierbarer Indikatoren das klimapolitische Scheitern der Bundesregierung. Neben dem Verfehlen des CO2-Ziels reichen auch die bislang erreichten Energie-Einsparungen nicht aus, so die Berater.

Mehr Arbeitsplätze in der EE-Branche
Die Studie hat ein Team rund um den Energieexperten Thomas Vahlenkamp erstellt. Bereits seit zwei Jahren misst McKinsey akribisch nach, was von der Politik an Energiewendezielen zahlenmäßig vorgegeben wurde. Die aktuellen Daten des Energiewende-Index, kurz EWI, zeigen nun eine erschreckende Bilanz, denn nur sechs der 15 untersuchten Indikatoren sind bis zum Jahr 2020 aus Sicht der Autoren noch realistisch.

Immerhin bleiben der Ausbau der Photovoltaik sowie die Eingrenzung des jährlichen Stromausfalls (in Minuten) im Rahmen der Zielsetzung der Merkel-Regierung. Als weiteren positiven Effekt konnte der Ausbau von Arbeitsplätzen sowohl in erneuerbaren Energien als auch in stromintensiven Industrien realisiert werden, so die McKinsey Studie.

Neun von 15 Zielen unerreichbar
Trotz des erheblichen Ausbaus der erneuerbaren Energien zeigt der EWI deutlich die Schwächen und den Rückstand in Sachen Klimaschutz auf. Die zentralen Ziele der Energiewende bis zum Jahr 2020 liegen weit unter dem veranschlagten Ausbaukorridor der deutschen Regierung. Beispielsweise soll der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Basisjahr 1990 um 40 Prozent sinken. Seit 2000 gingen die Emissionen in Deutschland jährlich lediglich um 0,7 Prozent zurück. Dementsprechend müsste sich der Faktor um fünf erhöhen, damit das Ziel erreichbar wäre. „Ambitionierte Ziele sind notwendig, damit die Energiewende gelingt. Sie müssen aber regelmäßiger überprüft und angepasst werden“, sagt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp, der auch den Index entwickelt hat.

Auch die Reduktion des Gesamtverbrauchs von Energieträgern wie Kohle und Öl ist weit entfernt vom ursprünglich angestrebten Ziel der Bundesregierung. Vahlenkamp zufolge sei der Grund dafür die unzureichende Realisierung von bestehenden Energieeffizienzpotenzialen. Würde man ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent p.a. bis 2020 zugrunde legen, müsste sich die Energieproduktivität in Deutschland von derzeit durchschnittlich 1,4 auf 4,3 Prozent jährlich verbessern, um das 2020-er Ziel zu erreichen.

Vahlenkamp fordert Bundesregierung zu mehr Monitoring auf

Nach Ansicht von Vahlenkamp sollte das Ergebnis des EWI Anstoß für die Politik sein, nach wie vor ambitionierte, aber deutlich realistischere Ziele vorzugeben. Zugleich müsste regelmäßig die Soll-Ist-Abweichung analysiert werden, um dadurch Fehlsteuerungen vermeiden zu können. Erforderlich seien ein kontinuierliches Monitoring des Umsetzungserfolgs und eine zeitnahe entsprechende Anpassung politischer Ziele und Maßnahmen. In der Vergangenheit seien diese oftmals erst sehr spät angepasst worden, wie etwa im Fall der EEG-Vergütungssätze für Solar-PV-Anlagen in Deutschland.