Regierung kippt Verbot für Nachtspeicher-Öfen – was sich ändert

NachtspeicherofenQuelle: IWR

Berlin – Der Bundestag hat sich mit den Stimmen der Regierungskoalition gegen ein Verbot von Nachtspeicheröfen entschieden. Wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten, votierten die Abgeordneten von CDU/CSU und FDP gegen das ursprünglich geplante Verbot. Bereits im September 2012 hatten die zuständigen Ministerien erklärt, dass aufgrund der zunehmenden regenerativen Strommenge die elektrischen Öfen als “Speicher für den Überfluss” benötigt werden. Noch zu Zeiten der großen Koalition war geplant worden, dass es ab 2020 keine Nachtspeicheröfen mehr geben sollte. Doch wegen der Speicheroption hat sich die derzeitige Regierung wieder umentschieden.

RWE plädiert für elektrische Nachtspeicheröfen
Der Meinungsumschwung ist vor allem auf das Betreiben der großen Energieversorger zurückzuführen. So hatte sich RWE zuletzt für die elektrische Heizvariante ausgesprochen. Der Konzern hatte angekündigt, die Speicheröfen mit moderner Regeltechnik auszustatten und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Wind- und Solaranlagen nutzen. Ein entsprechender Praxistest mit 50 Wohnungen sei bereits erfolgreich verlaufen, erklärte der Essener Konzern. Ähnliche Bestrebungen waren von weiteren Versorgern zu vernehmen.

Flexibilisierung der Speicheröfen notwendig
Die Nutzung von Nachtspeicheröfen erfolgt bisher so, dass die Speicheröfen zwischen 22.00 Uhr abends und 06.00 Uhr morgens aufgeladen werden. Strom wird in Wärme umgewandelt und die Wärme wird gespeichert, nicht der Strom. Der Vorteil für die Stromversorger: weil in der Nacht im Vergleich zu den Tagesstunden sehr viel weniger Strom benötigt wird, wären die Kraftwerke ohne die Nachtspeicheröfen nachts noch viel weniger ausgelastet als ohnehin und würden weniger Umsatz erwirtschaften. Diese starre Regelung der Nachtaufladung müsste in Zukunft gekippt werden, zugunsten einer flexiblen Ladelösung, d.h. eine Aufladung erfolgt auch dann, wenn beispielsweise tagsüber ein hohes Angebot an Solar- und Windstrom vorhanden ist. Dies wiederum würde aber bedeuten, dass wegen der Ladezeiten tagsüber die Kraftwerke nachts weniger stark ausgelastet sind, wovon die Betreiber konventioneller Kraftwerke keinen Nutzen hätten.
Man darf sehr gespannt sein, was sich die Stromversorger hier werden einfallen lassen, denn ohne einen ökonomischen Vorteil macht ein solcher Vorschlag keinen Sinn. Möglicherweise geht es nur darum, Umsatzausfall durch den Wegfall der Speicheröfen zu verhindern oder darum, dass die alten Kohlekraftwerke auch tagsüber dann wegen der Aufladung von Speicheröfen einfacher und besser durchlaufen können. Mit der suggerierten Pufferung von Wind- und Solarstrom im Sinne eines Speichers hat das schon deshalb nichts zu tun, weil Strom, der einmal in Wärme umgewandelt wurde, nicht mehr wirtschaftlich zurückgewandelt werden kann.

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