NRW-Kommunen nehmen bei der Umsetzung der Energiewende europaweit Spitzenplätze ein

Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

Klimaschutzminister Johannes Remmel verleiht European Energy Award gemeinsam mit EU-Kommissar Günther Oettinger und der Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard an 25 europäische Kommunen. Münster erreicht Platz Eins. Nordrhein-Westfalen profitiert von kommunaler Wertschöpfung durch den Einsatz Erneuerbarer Energien.

Sechs nordrhein-westfälische Kommunen und ein Landkreis wurden heute zusammen mit weiteren 19 europäischen Kommunen für ihre ganzheitlichen Klimaschutzstrategien und -projekte, kommunalen Förderprogramme und für den Einsatz regenerativer Energien und die Energieeinsparung mit dem European Energy Award in Gold in Brüssel geehrt. Rund 120 Verwaltungen aus NRW nehmen derzeit an diesem Energiemanagement- und -zertifizierungsverfahren teil. Vor kurzem wurden in Oberhausen die Preisträger-Kommunen des European Energy Awards auf Landesebene ausgezeichnet.

Ausgezeichnet wurden neben Bochum, Brakel, Iserlohn, Münster, Nottuln, Rietberg und der Kreis Steinfurt (alle NRW) auch Bad Schussenried, der Enzkreis, Friedrichshafen, die Stadt Ravensburg, der Landkreis Ravensburg (alle Baden-Württemberg), Emden (Niedersachsen), Delitzsch (Sachsen), Bernex, Cham, Riehen, Schaffhausen, Sankt Gallen, Vevey, Zürich (alle Schweiz), Kötschach-Mauthen, Dornbirn, Feldkirch (alle Österreich) sowie Besançon (Frankreich). Zur Veranstaltung, die von der EnergieAgentur.NRW organisiert wurde, lud das NRW-Klimaschutzministerium gemeinsam mit der Mission der Schweiz bei der EU und dem Forum European Energy Award.

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie von allen gemeinschaftlich getragen wird. Die Wende findet vor allem in den Dörfern und Städten statt. Bürgerinnen und Bürger sind genauso gefragt wie die Stadtwerke vor Ort“, so Klimaschutzminister Remmel. „Jede Kommune in NRW sollte ein Klimaschutzkonzept auf den Weg bringen. Der European Energy Award zeigt: Die Energiewende ist ‚made in NRW’. Ich freue mich besonders, dass Münster im europaweiten Ranking sogar Platz Eins belegt“, sagte Johannes Remmel, Gastgeber und NRW-Klimaschutzminister.

Kommunen gehören zu den energetischen Großverbrauchern – nicht zuletzt aufgrund ihres Gebäudebestandes. Um der Herausforderung des Klimaschutzes und der globalen Verantwortung gerecht zu werden, ist ein abgestimmtes und koordiniertes Handeln unabdingbar. Der European Energy Award ist ein gutes Instrument, um die Energiewende in Europa voranzubringen. Wir dokumentieren mit dem EEA, dass Europa auch beim Klimaschutz eine Wertegemeinschaft ist“, erklärte EU-Kommissar Günther Oettinger.

Der European Energy Award baut auf dem Schweizer Programm ‚Energiestadt‘ auf. Damit können wir die Energieeffizienz steigern und die Anwendung Erneuerbarer Energien in der Bevölkerung fördern. Dieser nachhaltigere Umgang mit der Ressource Energie setzt ein koordiniertes Vorgehen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft voraus. Die Schweiz hat vor 20 Jahren erfolgreich das Projekt ‚Energiestadt‘ lanciert. Über 300 Gemeinden – das sind zwölf Prozent aller Schweizer Gemeinden – haben sich bei uns inzwischen dem Programm angeschlossen“, so Bundesrätin Doris Leuthard, die dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation vorsteht.

Für Remmel ist es ein positives Signal, dass auch viele Kommunen mit Nothaushalt erfolgreich bei der Umsetzung der Energiewende seien. „Ökonomie und Ökologie sind keine Gegensätze. Wir sind dabei, mit den Erneuerbaren Energien einen starken Wirtschaftszweig aufzubauen, der auch die Kommunen stärken kann„, so Remmel. NRW profitiere sehr von der kommunalen Wertschöpfung durch den Einsatz Erneuerbarer Energien. Nach Untersuchungen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) haben Unternehmen durch die Erneuerbaren Energien mit ca. 46 Millionen Euro im Kreis Steinfurt und mit rund 19 Millionen Euro in Bochum im Jahr 2011 profitiert – Tendenz steigend. Der Wirtschaftszweig der Zukunftsenergien konnte im vergangenen Jahr ein deutliches Plus bei Umsätzen, Stromerzeugung und Beschäftigungszahlen erzielen. Aus der Erhebung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) geht hervor, dass die Zahl der Beschäftigten im Anlagen- und Systembau in NRW um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 28.200 gestiegen ist. Bezogen auf die Grundgesamtheit der Unternehmen ist ein Umsatzwachstum um knapp 5 Prozent auf etwa 8,7 Milliarden Euro zu verzeichnen, 2010 waren es noch 8,3 Milliarden.

Der European Energy Award ist nicht nur eine Auszeichnung für energiebewusste Verwaltungen, die jeweils eine Fülle von klimaschützenden Maßnahmen umgesetzt haben. Es ist vor allem ein Energiemanagementsystem, das den Kommunen ermöglicht, die Qualität ihrer Energieerzeugung und -nutzung zu bewerten und regelmäßig zu überprüfen.
Das Instrument European Energy Award wird inzwischen in neun Ländern angewandt. 25 Millionen Menschen leben europaweit in EEA-Kommunen – 1.000 Gemeinden nehmen an diesem Zertifizierungsverfahren teil. Bislang wurden bereits 500 Kommunen europaweit mit dem Award ausgezeichnet. Den European Energy Award in Gold erhält eine Kommune, wenn sie mindestens 75 % der Maßnahmen umsetzt, die in einer Kommune oder einem Kreis überhaupt möglich sind.

Die Vielfältigkeit Europas spiegelt sich auch in der Vielfältigkeit der Projekte in den verschiedenen Ländern wider: „Das ist eines der Erfolgsrezepte des EEA – dass er es ermöglicht, die räumlichen und kulturellen Besonderheiten der teilnehmenden Kommunen über Landesgrenzen hinaus bei der Umsetzung von Projekten zu berücksichtigen“, so Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, die in NRW den European Energy Award begleitet.

Sieben European Energy Awards in Gold gingen an diese Kommunen und Kreise in NRW: Bochum, Brakel, Iserlohn, Münster, Nottuln, Rietberg und der Kreis Steinfurt (erreicht  Ennepetal 2015 den Gold Award?, Anmerkung der Redaktion)

Die Stadt Bochum wurde nach 2009 in Brüssel bereits zum zweiten Mal mit dem EEA in Gold ausgezeichnet – unter anderem für Anlagen zur Hebung des Grubenwassers auf ehemaligen Schachtanlagen. Das Grubenwasser wird genutzt, um städtische Liegenschaften mit Wärme zu versorgen.
In der Gemeinde Brakel werden Freibad und Schule bereits seit 2005 mit rund 750.000 Kilowattstunden Wärme pro Jahr aus einem Biomasseheizwerk versorgt. Zum Jahreswechsel 2011/2012 wurde ein weiteres Nahwärmenetz für das Schulzentrum in Betrieb genommen, das aus einer Biogasanlage mit 1,7 Mio. kWh/a Wärme gespeist wird.
Die Stadt Iserlohn veranstaltete zahlreiche Aktionen, zum Beispiel die „Iserlohner Energiespartage“, die „Klimaolympiade“ sowie ein Gesangs- und ein Video-Contest zum Thema Klimaschutz für Kinder und Jugendliche. Die Bilanzierung im Rahmen der kommunalen Klimaschutzarbeit zeigt, dass Iserlohn auf dem richtigen Weg ist, denn zwischen 1990 und 2012 wurden die CO2-Emissionen um 31 % reduziert und 17 % Endenergie eingespart.

Der Rat der Stadt Münster hat im März 2008 das neue Klimaschutzziel der Stadt Münster beschlossen und damit die Verpflichtung ausgesprochen, eine CO2-Reduzierung von mindestens 40 % bis zum Jahre 2020 ausgehend vom Basisjahr 1990 zu erreichen, sowie einen Anteil von 20 % erneuerbarer Energie am Energieverbrauch der Stadt Münster bis 2020 anzustreben. Münster ist damit im Ranking aller europäischen Kommunen derzeit als Europameister auf Platz 1.

Im Rahmen des EEA-Verfahrens hat die Stadt Nottuln zahlreiche Projekte umgesetzt, unter anderem den Ausbau des Nahwärme- und Stromverbundes durch die Inbetriebnahme eines weiteren Blockheizkraftwerkes und einer Holzhackschnitzelanlage, den Bau von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden sowie die Freiflächenphotovoltaikanlage im Ortsteil Appelhülsen.

Zwei Großprojekte hat die Emsstadt Rietberg in der jüngeren Zeit umgesetzt. So entstand der Klimapark als europaweit einzigartige Musteranlage mit umfassenden Informationen zur Nutzung regenerativer Energien und als Informationsstätte zum Klimaschutz für alle Menschen. Zu den Besonderheiten gehört unter anderem ein Wohnhaus, das mittels eines im Boden eingelassenen Drehkranzes mit der Sonne „wandern“ kann.
Der Kreis Steinfurt hat beim European Energy Award® 2012 auf Anhieb die Gold-Auszeichnung erreicht. Der Kreis Steinfurt punktete mit einem Bündel von Aktionen und Maßnahmen, die bereits früher realisiert oder als Teil des EEA-Verfahrens umgesetzt worden waren, dazu gehören die energetische Sanierung kreiseigener Gebäude, die Durchführung vom „Tag der Energie“ für Mitarbeiter, die Vermietung von Dachflächen für Photovoltaikanlagen.

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