McKinsey: Deutschland verpasst 9 von 15 Energiewende-Zielen

Luftverschmutzung - Zeit zu handeln!Quelle: IWR

Düsseldorf– Die Energiewende in Deutschland gilt als Mammutprojekt und könnte bei Gelingen auch die Blaupause für andere Länder werden. Doch laut einer aktuellen McKinsey-Studie sind neun von 15 Regierungszielen im Zusammenhang mit der Energiewende bis zum Jahr 2020 nicht erreichbar.

Zu den Zielen, die Deutschland aus Sicht des Beratungsunternehmens nicht erreichen wird, zählt u.a. auch das CO2-Minderungsziel von minus 40 Prozent bis 2020. Der „Energiewende-Index“ von McKinsey zeigt anhand quantifizierbarer Indikatoren das klimapolitische Scheitern der Bundesregierung. Neben dem Verfehlen des CO2-Ziels reichen auch die bislang erreichten Energie-Einsparungen nicht aus, so die Berater.

Mehr Arbeitsplätze in der EE-Branche
Die Studie hat ein Team rund um den Energieexperten Thomas Vahlenkamp erstellt. Bereits seit zwei Jahren misst McKinsey akribisch nach, was von der Politik an Energiewendezielen zahlenmäßig vorgegeben wurde. Die aktuellen Daten des Energiewende-Index, kurz EWI, zeigen nun eine erschreckende Bilanz, denn nur sechs der 15 untersuchten Indikatoren sind bis zum Jahr 2020 aus Sicht der Autoren noch realistisch.

Immerhin bleiben der Ausbau der Photovoltaik sowie die Eingrenzung des jährlichen Stromausfalls (in Minuten) im Rahmen der Zielsetzung der Merkel-Regierung. Als weiteren positiven Effekt konnte der Ausbau von Arbeitsplätzen sowohl in erneuerbaren Energien als auch in stromintensiven Industrien realisiert werden, so die McKinsey Studie.

Neun von 15 Zielen unerreichbar
Trotz des erheblichen Ausbaus der erneuerbaren Energien zeigt der EWI deutlich die Schwächen und den Rückstand in Sachen Klimaschutz auf. Die zentralen Ziele der Energiewende bis zum Jahr 2020 liegen weit unter dem veranschlagten Ausbaukorridor der deutschen Regierung. Beispielsweise soll der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Basisjahr 1990 um 40 Prozent sinken. Seit 2000 gingen die Emissionen in Deutschland jährlich lediglich um 0,7 Prozent zurück. Dementsprechend müsste sich der Faktor um fünf erhöhen, damit das Ziel erreichbar wäre. „Ambitionierte Ziele sind notwendig, damit die Energiewende gelingt. Sie müssen aber regelmäßiger überprüft und angepasst werden“, sagt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp, der auch den Index entwickelt hat.

Auch die Reduktion des Gesamtverbrauchs von Energieträgern wie Kohle und Öl ist weit entfernt vom ursprünglich angestrebten Ziel der Bundesregierung. Vahlenkamp zufolge sei der Grund dafür die unzureichende Realisierung von bestehenden Energieeffizienzpotenzialen. Würde man ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent p.a. bis 2020 zugrunde legen, müsste sich die Energieproduktivität in Deutschland von derzeit durchschnittlich 1,4 auf 4,3 Prozent jährlich verbessern, um das 2020-er Ziel zu erreichen.

Vahlenkamp fordert Bundesregierung zu mehr Monitoring auf

Nach Ansicht von Vahlenkamp sollte das Ergebnis des EWI Anstoß für die Politik sein, nach wie vor ambitionierte, aber deutlich realistischere Ziele vorzugeben. Zugleich müsste regelmäßig die Soll-Ist-Abweichung analysiert werden, um dadurch Fehlsteuerungen vermeiden zu können. Erforderlich seien ein kontinuierliches Monitoring des Umsetzungserfolgs und eine zeitnahe entsprechende Anpassung politischer Ziele und Maßnahmen. In der Vergangenheit seien diese oftmals erst sehr spät angepasst worden, wie etwa im Fall der EEG-Vergütungssätze für Solar-PV-Anlagen in Deutschland.

 

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