Klimakonferenz in Warschau – Viel Lärm um (fast) nichts

Denk ich an Warschau in der Nacht...... Quelle: Thomas Plasmann

Denk ich an Warschau in der Nacht……
Quelle: Thomas Plasmann

Quelle: IWR

Warschau – Zwischenstand der UN-Klimakonferenz in Warschau: Die Konfrontationssituation zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern verschärft sich. Insgesamt zeigen sich die beteiligten Länder wenig kooperativ bei der Erarbeitung eines Nachfolge-Abkommens zum Kyoto-Protokoll. Dieses soll eigentlich 2015 in Paris unterzeichnet werden und ab 2020 in Kraft treten. Angesichts der aktuellen Entwicklungen rückt diese Vision in weite Ferne.

Noch bis zum 22. November verhandeln mehr als 9.000 Delegierte aus 194 Ländern in Warschau über ein globales Klimaschutz-Abkommen. Dabei stehen auch Verhandlungen über die Auswirkungen des Klimawandels auf Landwirtschaft und Entwicklung, Anpassung einzelner Staaten an klimatische Entwicklungen sowie die Diskussion neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse im Zentrum des Interesses. Eines ist man von Konferenzen dieser Art bereits gewohnt: Viele Stimmen warnen vor dem drohenden Klimawandel und seinen Konsequenzen. Auch eine Lösung, um diesen noch abzuwenden, ist bekannt: Die Reduktion von Treibhausgasen.

Generalsekretärin mahnt zu Reformen in der Kohleindustrie

Damit möchte sich Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), nicht abfinden. Sie richtete sich am Montag in einer Rede speziell an die Kohleindustrie und mahnte eine radikale Veränderung an, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abzuwenden. In ihrer Rede knüpfte Figueres direkt an die Ergebnisse des IPCC an, wonach der Klimawandel fortschreite und etwa die Hälfte des CO2-Emissionsbudgets bereits verbraucht sei. Um diese Entwicklung zu verlangsamen appellierte sie an die Unternehmen in der Kohleindustrie, das Portfolio zu diversifizieren. Statt weiter große Investitionen in klimaschädliche Unternehmenszweige zu tätigen, sollen sie stattdessen die Investitionen in Erneuerbare prüfen. Figueres verwies auf zahlreiche Unternehmen aus Kohle-, Gas- und Ölindustrie, welche diesen Schritt bereits gegangen seien. Sie selbst sei zwar nicht grundsätzlich gegen Kohle, aber um die Atmosphäre zu schützen müsse ein Großteil der Kohlereserven dort bleiben, wo sie sind: Unter der Erde.

Germanwatch-Klimaschutz-Index: Deutschland fällt zurück
Die Nichtregierungsorganisation Germanwatch stellt im aktuellen Klimaschutzindex deutlich heraus, dass bisher keines der 58 größten CO2-Emitttenten genug unternimmt, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen und so den Klimawandel noch abzuwenden. Stattdessen haben die Emissionen klimaschädlicher Gase weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Dennoch zeichnet sich ein schwacher Hoffnungsschimmer ab – immerhin sei eine leichte Verlangsamung des Anstiegs der CO2 Emissionen zu erkennen. Zu verdanken ist dies China. Das Land, das als größter CO2-Emittent gilt, verstärkt merklich seine Anstrengungen zum Klimaschutz. Wohl weniger aus umweltpolitischer Überzeugung. Stattdessen wird durch die Kohleindustrie verursachter Smog in Chinas Städten zu einem wachsenden Problem.

Deutschland dagegen schneidet im internationalen Vergleich hinsichtlich des Klimaschutzes schlecht ab und ist auf dem Index von Platz acht auf Platz 19 abgerutscht. Zu der schlechten Bewertung führten unter anderem die Unentschlossenheit bei einer Reform des Emissionshandels sowie die Blockade der EU-Richtlinien zugunsten spritsparender Autos und der Energieeffizienz.
Auch weitere Staaten sind nicht bereit, Beschränkungen zugunsten des Klimaschutzes zu akzeptieren. Der Grund: Wirtschaftliches Wachstum sei noch immer an fossile Brennstoffe gekoppelt. Einen Wettbewerbsnachteil durch den Verzicht auf Kohle, Öl und Co. bzw. einen Wechsel zu erneuerbaren Energien möchte derzeit kaum ein Land riskieren. Die bisherigen Klimakonferenzen zeigen, dass Emissions-Beschränkungen für den Klimaschutz nicht zum Ziel führen.

Alternative zum Kyoto-Begrenzungs-Plan: Investieren für den Klimaschutz mit dem CERINA-Plan
Der CO2 Emissions and Renewable Investment Action Plan (CERINA) setzt an einem anderen Hebel an: Anstatt jedem Land vorzuschreiben, wie viel CO2 eingespart werden muss, stellt der CERINA-Plan ein Investitionsmodell dar. Nimmt man den jährlichen globalen CO2-Zuwachs in Höhe von 400 – 800 Mio. t als Basis an, so kann man rechnerisch und rückwärts ermitteln, wie hoch die Investitionen in klimafreundliche oder CO2-freie Energietechniken sein müssen, um den CO2-Anstieg zu verringern oder zumindest zu kompensieren. Die Verteilung der notwendigen Investitionen in CO2-freie Techniken zur CO2-Stabilisierung in Höhe von derzeit 500 Mrd. Euro pro Jahr auf die einzelnen Länder erfolgt im CERINA-Plan über einen einheitlichen CO2-Verrechnungssatz (Euro oder Dollar pro Tonne CO2) nach dem Grundsatz: je höher die CO2-Emissionen eines Landes, desto höher die Investitionen. Im Ergebnis ist eine Verminderung der weltweiten CO2-Emissionen die Folge von Investitionen auf der Grundlage eines positiv besetzen Anreizsystems.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 1 = vier